Maschinen sorgen für einen Innovationsschub bei der Anlage von Blumenwiesen

    Eine schöne Blumenwiese macht Freude und fördert die Biodiversität in Stadt und Land. In den letzten Jahren haben sich zwar die Erfolgsaussichten bei Neuansaaten dank verbessertem Saatgut und ausgeklügelter Saattechnik stark verbessert. Das ist aber mit viel Vorbereitungszeit, Aufwand und Kosten verbunden. Modernste Landtechnik könnte jetzt Abhilfe schaffen.

    (Bilder: Naturama)
    Der Geohobel ermöglicht eine effiziente Vorbereitung und Einsaat von grös- seren Flächen. Die Werkzeuge des Geohobels drehen auf einer Achse und schneiden und zerkleinern die Pflanzendecke, ohne das Bodengefüge zu zerstören.

    Das Naturama veranstaltete einen Kurs zum Thema Anlage und Pflege von artenreichen Blumenwiesen. Die Gemeinde Unterentfelden fördert seit Jahren auf öffentlichen Flächen im Siedlungsgebiet mit artenreichen Wiesen die Standortattrakivität und die Biodiversität. Aus Überzeugung, aber auch aus Kostengründen werden monotone Rasen in blumenreiche Schnittwiesen umgewandelt. Andreas Öhrli vom Bauamt Unterentfelden stellte an der Narturamaveranstal- tung zwei dieser Flächen vor. Rund 40 Teilnehmende profitieren von neuen Erkenntnissen bei der Planung, Ansaat und Pflege von artenreichen Wiesen.

    Grossflächige Ansaaten
    Auf einer grösseren Rasenfläche stellte Landwirt Walter Husy den Geohobel vor. Dabei handelt es sich um ein Traktor-Anbauge- rät aus der Biolandwirtschaft, das für den pfluglosen Ackerbau entwickelt wurde. Das Prinzip funktioniert so, dass ein bestehender Pflanzenbewuchs gleichmässig in zwei bis drei Zentimeter Tiefe zerschnitten und zerkleinert wird. Dies ist der sogenannte Vegetationspunkt, wo die Pflanze am meisten geschädigt wird. Das Bodengefüge wird dabei – und das ist der grosse Unterschied zu herkömmlichen Bodenfräsen oder Saatkombinationen – nicht tangiert. Sieben bis zehn Tage nach der ersten Bearbeitung mit dem Geohobel kann in einem zweiten Durchgang eingesät werden. Die Ansaat erfolgt ebenfalls mit dem Geohobel mittels der integrierten Sä-Einrichtung.

    Flächen bis 500 Quadratmeter
    Auf einer Kleinfläche bei der Turnhalle «Bächli» zeigte Arnold Zimmerli den Rasensodenschneider in der Praxis. Diese handliche Maschine kennt man seit langem aus der herkömmlichen (Sport-) Rasenpflege. Dabei werden Rasen- streifen zwei bis drei Zentimeter tief herausgeschnitten, anschliessend aufgerollt und entfernt. Bei der Umwandlung eines Rasens in eine Blumenwiese wird mit dem Sodenschneider eine vegetations- freie Oberfläche geschaffen, ohne dass der Boden gelockert wird. Das sind beste Voraussetzungen für die sofortige Aussaat einer Wiesenblumenmischung.

    Resultat eines Durchganges mit dem Gehobel nach zirka sieben Tagen: Die Vegetation ist vollständig abgestorben. Das sind optimale Voraussetzungen für die Ansaat einer artenreichen Wiese.

    Planungs- und Zeitersparnis
    Gegenüber dem herkömmlichen Ansaatverfahren von Blumenwiesen mit mehrmaliger Bodenbearbeitung in Abständen von zehn bis vierzehn Tagen zum Vernichten der bestehenden Vegetation und dem Warten, bis sich der Boden gesetzt hat, vereinfachen die beiden aufgezeigten Verfahren die Anlage von artenreichen Blumenwiesen beträchtlich. Wenn im Frühjahr der Wunsch aufkommt, eine artenarme Wiese in eine Blumenwiese aufzuwerten, ist es oft schon zu spät. Denn für eine traditionelle Saatbeetvorbereitung bedarf es sechs bis acht Wochen. Bis spätestens Ende Juni sollte gesät sein, damit sich die langsam keimenden Wildkräuter bis zum Wintereinbruch genügend kräftig entwickeln können. Auch in der Landwirtschaft bringt das hier vorgestellte Anlageverfahren mit dem Geohobel eine enorme Kosten- und Zeitersparnis mit sich. Bei gewissen Böden musste bisher eine solche Saat über ein halbes Jahr im Voraus mit vielen kostspieligen Bodenbearbeitungsdurchgängen geplant werden.

    Nachsaatpflege
    Blumenwiesen benötigen ein bis drei Jahre, bis sie gut entwickelt und blütenreich sind. Vor allem im Ansaatjahr sind sogenannte Unkrautschnitte nötig. Wenn spontankeimende Pflanzen zirka zehn Zentimeter hoch sind, sollten sie an einem sonnigen Tag geschnitten oder gemulcht und abgeführt werden. So stehen den eingesäten Blumen und Gräsern genügend Licht und Wärme zur Verfügung. Das kann auf wüchsigen Böden durchaus drei- bis viermal notwendig sein.

    Blumenwiesen machen im ersten Jahr oft einen trostlosen Eindruck. Die allermeisten Pflanzen blühen erst im zweiten Standjahr. Lassen Sie sich deshalb im Ansaatjahr nicht entmutigen und geniessen Sie die Vorfreude auf viele Blüten und Farben in den folgenden Jahren!

    Für einen langfristigen Artenreichtum ist es unablässig, das Schnittgut auf der Fläche mindestens einen Tag trocknen zu lassen. So bleiben die Samen an Ort. Sehr wertvoll für Insekten sind die vom Bauamt Unterentfelden belassenen sogenannten Rückzugstreifen.

    Pflege von Blumenwiesen
    In der Vergangenheit ist es immer wieder vorgekommen, dass gelungene Wiesenblumensaaten nach einigen Jahren ihren Blüh- und Artenreichtum verloren haben. Die für die Pflege zuständigen Personen waren ratlos, haben sie scheinbar doch alles richtig gemacht: später Schnitt nach dem Versamen und sogar einen dritten Schnitt im Herbst, um Biomasse abzuführen. Was ist passiert?

    Die Pflanzen einer Blumenwiese sind zwar ausdauernd und wer- den einige Jahre alt, sterben dann aber ab. Viele davon sichern ihren Fortbestand über Samen. Im Garten- und Kommunalbereich hat sich bei der Wiesenpflege das sofortige Abführen des Schnittgutes eingebürgert. Damit wird aber auch der Grossteil der Samen von der Wiese entfernt. Wenn dies über einige Jahre so gehandhabt wird, stellt sich ein Arten- und Blütenrückgang ein. Die Wiese verarmt. Dagegen hilft Heuen. Das Schnittgut muss vor Ort ein bis zwei Tage an der Sonne trocknen. Somit reifen die Samen nach und fallen beim anschliessenden Zusammennehmen leichter aus und bleiben vor Ort.

    Thomas Baumann